Live Wetten in der Schweiz: nur zwei dürfen, aber niemand ist verboten

Updated Oktober 2026
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Ein Fussballspiel am Abend aus der Tribünenperspektive, die Spieler sind nur als kleine Figuren zu erkennen und das Flutlicht beleuchtet den nassen Rasen.

Stand: Oktober 29, 2026. Die Bewilligungen der hier besprochenen Veranstalter wurden gegen die Angaben der Gespa, der Interkantonalen Geldspielaufsicht in Bern, und gegen die von den Veranstaltern selbst publizierten Spielregeln und Teilnahmebedingungen geprüft.

Bei Sporttip-Livewetten zählen Wetten, die nach dem tatsächlichen Eintreffen des Wettausgangs platziert werden, mit Quote 1.00.

Livewetten sind in der Schweiz nicht verboten. Wer das Gegenteil hört, hat meistens zwei Dinge verwechselt: das Angebot selbst und die Erlaubnis, es zu betreiben. Das Angebot ist erlaubt, sogar ausdrücklich im Gesetz vorgesehen. Die Erlaubnis aber besitzen genau zwei Veranstalter. Das ist die ganze Rechtslage in zwei Sätzen, und der Rest dieses Artikels erklärt, was daraus für den einzelnen Wettschein folgt.

Wer heute Abend ein Spiel live setzen will, hat deshalb keine Auswahl unter zehn Buchmachern, sondern eine Entscheidung über seinen Wohnsitz. Swisslos mit dem Produkt Sporttip bedient die Deutschschweizer Kantone, den Tessin und das Fürstentum Liechtenstein. Die Loterie Romande mit Jouez Sport bedient Freiburg, Waadt, Wallis, Neuenburg, Genf und Jura. Ein Onlinekonto gibt es nur im jeweiligen Gebiet. Eine Grenze also, die nichts mit dem Kontostand zu tun hat und alles mit der Adresse.

Das klingt nach wenig Wettbewerb, und es ist wenig Wettbewerb. Es ist aber auch der Grund, weshalb auf dieser Seite keine Rede von «Top-10-Anbietern» sein wird, obwohl die Suchmaske so etwas verspricht. Neben den beiden Veranstaltern stehen acht ausländische Marken, die Schweizer Spielende im Netz antreffen. Keine von ihnen hat eine Schweizer Bewilligung. Sie alle in eine Rangliste mit den beiden Landesveranstaltern zu werfen wäre kein Vergleich, sondern eine Irreführung.

Was Livewetten sind und wie sie sich mit dem Spiel verändern

Der Unterschied zur Wette vor dem Anpfiff

Eine Wette vor dem Spiel wird auf ein Programm gesetzt, das vor dem Anpfiff feststeht. Eine Livewette dagegen nimmt man während des laufenden Spiels ab, die Annahme endet erst nach Spielbeginn, gegebenenfalls zuzüglich einer Karenzzeit. So steht es in der Fachliteratur zur Sportwette, und es beschreibt den Unterschied genauer als jede Werbebroschüre: es ist nicht nur ein späterer Zeitpunkt, es ist ein veränderlicher Gegenstand.

Eine Stoppuhr liegt neben einer Trillerpfeife auf einem Stück Rasen an der Seitenlinie eines Fussballfelds im Gegenlicht.
Zu den beliebtesten Live-Wettarten zählen die Wette auf das nächste Tor, die Restzeitwette und die Tore-ab-jetzt-Wette mit einem Marktanteil von etwa 60 bis 70 Prozent.

Am Anpfiff liegen die Quoten auf ein 1:0, ein 2:1, ein Über-2,5 ungefähr dort, wo das Papier sie hingerechnet hat. Zehn Minuten später steht es 1:0, und dieselben Quoten sind andere geworden. Bei Live-Wetten müssen nach Ereignissen wie einem Tor oder einer Roten Karte die Quoten angepasst oder die Wettabgabe ausgesetzt werden; die Anpassung erfolgt teils automatisch anhand von Spielstand, Einsätzen oder Spielzeit. Wer live setzt, wettet also nicht auf ein Spiel, sondern auf einen Zustand des Spiels — und der ändert sich, während der Finger über dem Bestätigungsknopf liegt.

Daraus folgt etwas, das in keiner Produktbeschreibung steht: der Zeitpunkt ist Teil der Wette. Zwei Spielende können auf dasselbe Ereignis setzen und unterschiedliche Quoten haben, ohne dass einer von beiden etwas falsch gemacht hat. Nur der eine hat zwei Minuten früher geklickt.

Quoten, die sich bewegen, und der Betrug, der daraus entsteht

Die Anpassung hat einen zweiten Effekt, der weniger angenehm ist. Wenn zwischen dem Ereignis auf dem Platz und der neuen Quote am Bildschirm Zeit liegt, dann liegt in dieser Zeit ein Geschäft. Genau dort setzt das Courtsiding an: es wird vom Veranstaltungsort aus gewettet und die Zeitverzögerung bei der Quotenanpassung für Wettbetrug ausgenutzt. Wer im Stadion sitzt und schneller sieht als der Rechner, der die Quote nachzieht, hat einen Vorsprung, der ihm nicht zusteht.

Für den normalen Livewetter ist das keine Gefahr, aber es erklärt zwei Regeln, die sonst willkürlich wirken. Eine Wette gilt nur, wenn sie vor dem Wettausgang platziert wurde. Und in Situationen, die ein Spiel entscheiden — Elfmeter, Rote Karte, Videoschiedsrichter-Entscheid — kann ein Veranstalter Wetten mit Quote 1.00 werten. Der Fairnessmechanismus ist also nicht die Kulanz des Buchmachers, sondern seine Notwehr gegen die eigene Verzögerung.

Welche Live-Wettarten tatsächlich gespielt werden

Zu den beliebtesten Live-Wettarten zählen die Wette auf das nächste Tor, die Restzeitwette und die Tore-ab-jetzt-Wette, deren Marktanteil Branchenangaben zufolge bei etwa 60 bis 70 Prozent liegt. Rund zwei Drittel des Live-Volumens liegen damit auf drei Märkten, die alle dasselbe tun: sie schneiden das Spiel in ein Vorher und ein Nachher und fragen, was im letzteren passiert.

Das ist kein Zufall, und es ist auch keine Vorliebe für bestimmte Sportarten. Diese drei Märkte sind genau die, bei denen sich der Spielstand in der Quote unmittelbar niederschlägt. Ein Handicap über das ganze Spiel lässt sich live nur schwer neu rechnen, «nächstes Tor» dagegen ist in der Sekunde nach dem Treffer eine völlig andere Wette. Livewetten machen dort Sinn, wo die Quote dem Geschehen folgen kann.

Der praktische Nachteil dieser Konzentration: wenn drei Märkte zwei Drittel des Angebots ausmachen, dann sind Kombinationen und Nischenmärkte dünner besetzt, als das Werbematerial suggeriert. Wer live auf etwas anderes setzen will als den nächsten Treffer, wird häufiger vor einer geschlossenen Annahme stehen.

Die Rechtslage: nicht verboten, aber bewilligungspflichtig

Zwei Veranstalter, und warum es keine dritten gibt

Online-Sportwetten sind in der Schweiz ein Grossspiel nach dem Geldspielgesetz (BGS, SR 935.51, in Kraft seit 1. Januar 2019) und werden von der Gespa beaufsichtigt — nicht von der ESBK, die nur Casinos überwacht. Eine Bewilligung braucht eine Veranstalterbewilligung und zusätzlich eine Bewilligung pro Spiel, und sie gilt nur in der Schweiz. Die Kantone haben die Zahl der Veranstalter von Lotterien und Sportwetten auf zwei begrenzt: Swisslos mit dem Produkt Sporttip und die Loterie Romande mit Jouez Sport.

Ein Tessiner Dorf mit Steinhäusern an einem Hang über einem See im Licht des Nachmittags, auf den Gassen ist niemand zu sehen.
Swisslos hat ihren Sitz in Basel und veranstaltet Sportwetten gestützt auf die Interkantonale Vereinbarung vom 20. Mai 2019 (IKV 2020).

Es gibt deshalb keine Liste weiterer bewilligter Buchmacher, die man durchsuchen könnte. Es gibt keine. Die Gespa publiziert stattdessen die Sperrliste der gesperrten ausländischen Domains — ein Dokument, das nur existiert, weil es etwas zu sperren gibt. Wer auf einer Suchmaschine nach Livewetten-Anbietern für die Schweiz sucht, findet überwiegend Marken, die auf dieser Liste stehen oder stehen könnten.

Der Grund für die Zweizahl ist kein ordnungspolitischer Unfall. Die Kantone wollten den Schweizer Geldspielmarkt klein, kontrollierbar und gemeinnützig: die Reinerträge gehen an öffentliche Zwecke in den Kantonen. Ein Markt mit zwei Veranstaltern ist teuer in der Kontrolle — aber teuer ist genau der Punkt.

Swisslos Sporttip: Basel, Deutschschweiz, Tessin, Liechtenstein

Swisslos, die SWISSLOS Interkantonale Landeslotterie Genossenschaft, hat ihren Sitz in Basel und veranstaltet Lotterien und Sportwetten gestützt auf die Interkantonale Vereinbarung über die gemeinsame Durchführung von Geldspielen vom 20. Mai 2019 (IKV 2020). Die Sportwetten laufen unter dem Namen Sporttip.

Das Vertragsgebiet umfasst die Kantone Aargau, Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, Bern, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Glarus, Graubünden, Luzern, Nidwalden, Obwalden, St. Gallen, Schaffhausen, Solothurn, Schwyz, Thurgau, Uri, Zug und Zürich sowie den Kanton Tessin und das Fürstentum Liechtenstein. Wer in Genf wohnt, kann dort kein Konto eröffnen — nicht wegen fehlender Bonität, sondern wegen einer Kantonsgrenze.

Loterie Romande Jouez Sport: sechs Kantone im Westen

Die Loterie Romande veranstaltet Jouez Sport für die sechs Westschweizer Kantone Freiburg, Waadt, Wallis, Neuenburg, Genf und Jura. Sie nennt als Kontaktadresse die Avenue de Provence 14 in 1001 Lausanne, zählt 2’350 Verkaufsstellen in der Westschweiz und 221 Mitarbeitende.

Jouez Sport ist an Verkaufsstellen der Loterie Romande mit Wetterfassungsterminal zugänglich; teilnehmen dürfen nur natürliche Personen ab 18 Jahren. In den Verkaufsstellen gibt es ausschliesslich Prematch-Wetten. Livewetten bietet allein die Internet-Spielplattform der Loterie Romande. Das ist für einen Livewetter der wichtigste Satz über diesen Veranstalter: der Kiosk, an dem man den Wettschein kennt, kann genau das nicht, worum es hier geht.

Der geschlossene Katalog: was man überhaupt setzen darf

Die bewilligte Angebotspalette ist eine geschlossene Liste. Massgeblich ist die Gespa-Liste der zugelassenen Sportarten, Wettkämpfe und Wettarten (Version 10.09.2026). Qualifikationsrunden zählen nur, wenn sie aufgeführt sind, Frauenwettbewerbe nur, wenn sie aufgeführt sind, Ranglistenwetten nur, wenn die Rangierung über den Einzug in einen internationalen Wettbewerb oder aufs Podest entscheidet. Auf Trainingsläufe darf nie gesetzt werden. Corner- und Kartenmärkte erscheinen auf der Liste nicht, eine Esport-Sektion ebenso wenig. Ereignisse, an denen überwiegend Minderjährige teilnehmen, sind ausgeschlossen.

Was nicht auf der Liste steht, wird auch live nicht angeboten. Das ist der Unterschied zu einem ausländischen Anbieter, der live einen Eckballmarkt aufmacht, weil gerade jemand danach sucht. Der geschlossene Katalog ist eine Einschränkung — und gleichzeitig der Grund, weshalb auf Schweizer Plattformen kein Markt auftaucht, den niemand seriös bepreisen kann.

Livewetten selbst sind erlaubt, vor dem Spiel und während des Spiels, soweit der Veranstalter eine entsprechende Entscheidung besitzt. Das BGS enthält keine gesetzliche Beschränkung auf bestimmte Live-Märkte. Cash-Out dagegen ist nicht reguliert: es ist eine Funktion des jeweiligen Anbieters und nichts, worauf ein Anspruch bestünde.

Steuern: die Schwelle, die fast niemand erreicht

Gewinne aus schweizerisch bewilligten Grossspielen sind bis zum Steuerfreibetrag einkommenssteuerfrei und erst darüber steuerpflichtig. Der bundesrechtliche Freibetrag liegt ab 1. Januar 2026 bei CHF 1’071’000 (im Jahr 2025 bei CHF 1’070’400). Der kantonale Freibetrag weicht davon ab, hier gilt «je nach Kanton». Oberhalb der Schwelle behält der Veranstalter 35 % Verrechnungssteuer ein, die über die Deklaration in der Steuererklärung zurückgeholt wird.

Für einen typischen Wetter ist das eine Zahl ohne Bedeutung: ein Livegewinn von ein paar Hundert Franken bleibt unter jedem Freibetrag, es fällt keine Einkommenssteuer und keine Verrechnungssteuer an. Anders sieht es bei Gewinnen aus ausländischen Anbietern aus. Diese unterliegen nicht der Verrechnungssteuer, aber die kantonale Steuerpraxis etwa des Kantons Thurgau behandelt Gewinne aus ausländischen Grossspielen als vollständig steuerbares Einkommen, unabhängig von der Höhe. Eine Schweizer Wette und eine ausländische Wette auf dasselbe Spiel sind steuerlich nicht dasselbe Produkt.

Eine Wettsteuer auf den Einsatz gibt es in der Schweiz nicht. Das ist wichtig, weil im Ausland genau diese Abgabe üblich ist und gelegentlich in Schweizer Diskussionen hineingelesen wird. Wer eine Steuerfrage hat, wendet sich an einen Steuerberater oder an die kantonale Steuerverwaltung; dieser Abschnitt ist eine allgemeine Information und keine Beratung.

Der ausländische Anbieter: was fehlt, wenn eine Bewilligung fehlt

Eine ausländische Bewilligung — aus Curaçao, Malta, Deutschland oder einem anderen Land — hat in der Schweiz keine Geltung. Das Veranstalten von Sportwetten ohne Schweizer Bewilligung ist strafbar: bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe, bei gewerbsmässigem Betrieb bis zu fünf Jahre. Der Spielende selbst wird nicht bestraft. Aber Einsätze und Gewinne können in einem Verfahren gegen den Anbieter eingezogen werden.

Konkret heisst das für den Alltag: kein Anschluss an das Schweizer Sperrregister, kein Schweizer Rechtsschutz, wenn eine Auszahlung ausbleibt. Und ein weiterer Punkt, der oft falsch dargestellt wird: die Schweiz hat kein Instrument, mit dem Banken oder Kartenherausgeber Zahlungen an unbewilligte Wettseiten blockieren. Was es gibt, ist die Sperrliste der Gespa mit ausländischen Domains, die Schweizer Telekommunikationsanbieter per DNS blockieren. Die erste Liste stammt vom 3. September 2019, Ende 2025 umfasste sie 671 Domains. Blockierte Domains werden innerhalb von Stunden ersetzt — die Gespa nennt dieses Domain-Hopping ausdrücklich und nennt Interwetten und Bet-at-Home als Beispiele; bet365 führt sie auf der Liste.

Die ehrliche Zusammenfassung lautet deshalb nicht «ausländisch ist gefährlich». Sie lautet: ausländisch heisst ohne Schweizer Bewilligung, ohne Schweizer Sperrregister, ohne Schweizer Rechtsweg, und Gewinne sind nach kantonaler Praxis steuerbar. Bewilligt heisst voller Schweizer Schutz bei nur zwei Veranstaltern, einem geschlossenen Sportartenkatalog, einer Wohnsitzpflicht und einer Identitätsprüfung. Keine der beiden Seiten ist die von sich aus sichere Wahl.

Spielerschutz: die zehn Sekunden, in denen eine Limite zählt

Limiten setzt man selbst, bevor man spielt

Vor der ersten Teilnahme bei Sporttip müssen Spielende Verlustlimiten für 1, 7 und 30 Tage setzen. Die Oberlimite liegt bei CHF 9’999, für Personen unter 21 Jahren bei CHF 1’000. Eine Senkung gilt sofort, eine Erhöhung erst nach 72 Stunden. Zusätzlich ist eine freiwillige Einzahlungslimite für jeweils 30 Tage möglich.

Diese 72 Stunden sind der eigentliche Mechanismus. Das Gesetz verlangt, dass Erhöhungen nach 24 Stunden greifen; Swisslos und die Loterie Romande wenden in ihren eigenen Bestimmungen 72 Stunden an. Wer nach einer schlechten Nacht seine Limite hochsetzen will, kann das erst übermorgen — und das ist keine Schikane, sondern die einzige Sperre, die gegen einen Entschluss wirkt, der im Moment der Wut gefasst wird. Eine Limite, die man in zwei Minuten aufheben kann, ist keine Limite, sondern ein Vorsatz.

Ein gesetzlich fixierter Einzahlungsdeckel existiert in der Schweiz nicht. Die Limiten sind selbst gesetzt, und deshalb ist die erste und einzige Person, die sie durchsetzt, der Spielende.

Die Spielsperre wirkt auch dort, wo die Werbung nicht hinsieht

Bei Swisslos lässt sich der Zugang produktbezogen für 1 bis 180 Tage selbst sperren, ohne Aufhebung vor Fristablauf. Eine unbefristete Spielsperre wird in einem schweizweiten Register eingetragen und gilt auch für Casinos einschliesslich Online-Casinos sowie im Fürstentum Liechtenstein.

Was hier wichtig ist, steht zwischen den Zeilen der beiden Sätze: eine Sperre wirkt über die Plattform hinaus. Sie erfasst das Casino, sie erfasst Liechtenstein — und sie erfasst auch Livewetten. Wer sich gesperrt hat, kommt nicht über den Umweg eines Live-Marktes zurück ins Spiel. Gesperrte und minderjährige Personen haben keinen Anspruch auf Einsätze oder Gewinne; eine freiwillige Sperre lässt sich erst nach drei Monaten aufheben, unter Beteiligung einer Fachstelle. Ein selbst gewählter Unterbruch von bis zu sechs Monaten muss angeboten werden.

Der Grund, weshalb Livewetten in diesem Abschnitt eine eigene Note bekommen, ist die Geschwindigkeit. Eine Prematch-Wette hat einen natürlichen Bremsweg: man füllt den Schein aus, geht zur Kasse, denkt noch einmal nach. Eine Livewette auf das nächste Tor bei 1:1 in der zweiten Halbzeit hat diesen Bremsweg nicht. Der Markt schliesst in der nächsten Minute, die Quote ist weg, und genau diese Dringlichkeit ist das Produkt. Wer sein Limit kennt, kann davon profitieren. Wer es nicht kennt, hat keine Sekunde zum Nachdenken.

Ein weiterer Grund, den Schutz nicht zu überschätzen: die Gespa hat 2025 Testkäufe durchgeführt und dabei an Verkaufsstellen in 47,5 % von 200 Fällen eine Sportwette an eine minderjährige Person verkauft. Der Kontrollapparat ist gut, die Verkaufsstelle ist es nicht immer.

Ein Spielerkonto, ein Name, keine Kryptozahlung

Ein Konto pro Person mit verifizierter Identität — so steht es in den Ausführungsbestimmungen zum Gesetz, und Swisslos setzt es um: zur Online-Registrierung braucht es mindestens 18 Jahre sowie Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Vertragsgebiet, es darf keine Spielsperre bestehen, und jede Person darf sich nur einmal registrieren. Die Daten werden aus dem hochgeladenen Ausweis ausgelesen und gegen Adressdatenbanken geprüft.

Wichtig für alle, die sich anonyme Auszahlungen wünschen: Gewinne und Guthaben werden nur auf ein Zahlungskonto auf den Namen des Kontoinhabers ausbezahlt. Anonyme oder Krypto-Auszahlungen gibt es im bewilligten Schweizer Wettgeschäft nicht. Kredite an Spielende sind ebenfalls ausgeschlossen. Einzahlungen laufen über das Wallet, Spielguthaben kann per Online-Zahlungsmöglichkeit oder Einzahlungsschein gekauft werden, mit einem Mindestbetrag von CHF 20; in 30 Tagen sind höchstens CHF 10’000 möglich, und ein Kauf ist nur möglich, solange das Wallet-Guthaben CHF 9’999 nicht übersteigt. Welche Zahlungsmarken ein Anbieter akzeptiert, ist dessen eigene Sache und steht nur in seinen Bedingungen.

Livewetten in der Praxis: Annahmeregeln, Cash-Out und Einsatzgrenzen

Die Wette, die nach dem Tor kommt

Bei Sporttip-Livewetten gilt die Wette unabhängig davon, ob das Ereignis live übertragen wird. Das ist der Satz, der Livewetten von Live-Streaming trennt: man braucht keinen Bildschirm, um live zu setzen, und der Anbieter schuldet keine Übertragung. Wetten, die nach dem tatsächlichen Eintreffen des Wettausgangs platziert werden, zählen mit Quote 1.00. In spielentscheidenden Situationen — Elfmeter, Rote Karte, Videoschiedsrichter-Entscheid — kann Swisslos Wetten mit Quote 1.00 werten.

Die Quote 1.00 ist die unspektakulärste Zahl des ganzen Themas und die folgenreichste. Sie bedeutet nicht Verlust, sie bedeutet Rückgabe: der Einsatz kommt zurück, der Gewinn entfällt. Wer im Stadion sitzt, das Tor sieht, und dann auf den nächsten Treffer setzt, bekommt einen Schein mit Quote 1.00, und der sieht beim Blick auf den Kontostand aus wie eine verlorene Wette. Eine Wette zu setzen, deren Ausgang man schon kennt, ergibt weder Geld noch Vergnügen.

Dasselbe Muster gilt, wenn ein Ereignis abgesagt und nicht innert 48 Stunden nach dem ursprünglichen Beginn — oder im Rahmen eines Turniers — nachgeholt wird: die Wette ist ungültig, Einzelwetten werden zurückbezahlt, in Kombinationswetten erhält die Voraussage Quote 1.00.

Was ein Gewinn rechnet — und was er zurückgibt

Der Gewinnbetrag einer Sporttip-Wette ergibt sich aus Einsatz mal Quote, bei Kombinationen mal Gesamtquote als Produkt der Einzelquoten. Das Ergebnis wird zuerst auf zwei Nachkommastellen aufgerundet und dann auf 5 Rappen genau abgerundet. Die zweite Rundung ist die schweizerischere von beiden: es gibt keine Rappenbeträge, die nicht als Münze existieren.

Ein Beispiel, das ausdrücklich keines der hier genannten Angebote bepreist. Gesetzt werden CHF 10 auf Quote 2.50. Der mögliche Rückfluss liegt bei CHF 25, der mögliche Nettogewinn bei CHF 15. Diese Rechnung hängt an zwei Bedingungen, und beide gehören dazu: die Wette muss vor dem Wettausgang platziert sein, und die Quote 2.50 muss die sein, die beim Abschluss auf dem Wettschein steht. Als Band heisst das: zwischen dem Zehnfachen und dem Zweieinhalbfachen des Einsatzes liegt bei Schweizer Livewetten nichts, weil keine Quote unter 1.00 abgegeben wird — und über den Rückfluss von CHF 25 entscheidet allein, ob die Wette vor dem Eintreffen des Ausgangs abgegeben wurde und das Ereignis eintritt.

Wer umgekehrt die Quote liest, um die Wahrscheinlichkeit zu erschätzen, sollte eine dritte Zahl dazunehmen: den Quotenschlüssel. Der Auszahlungsquotient eines Marktes ist der Anteil aller Einsätze, den dieser Markt zurückzahlt, berechnet als 1 ÷ (1/Quote₁ + … + 1/Quoteₙ) über alle Ausgänge; der Rest ist die Marge des Veranstalters. Bei einem Zwei-Ausgang-Markt mit Quoten um 1.90 auf beiden Seiten zahlt der Markt etwa 95 % zurück und behält rund 5 %. Das ist der Preis, der in jeder Quote steckt, und er ist derselbe, ob live oder vor dem Spiel.

Cash-Out bei Sporttip: alles oder nichts

Cash-Out bei Sporttip gibt es für Einzel-, Kombinations- und Langzeitwetten, vor Spielbeginn und live, aber nur bei Online-Wetten und nur als vollständiges Cash-Out ohne Teilauszahlung. Ein ausgeführtes Cash-Out lässt sich nicht rückgängig machen, und eine Garantie für jeden Markt besteht nicht.

Dazu kommt der Teil, der in der Werbung nicht vorkommt. Der Cash-Out-Betrag ist tiefer als der mögliche nicht vorzeitige Wettgewinn, hängt vom Stand der Sportereignisse ab und kann von Swisslos jederzeit geändert werden; anbieten muss Swisslos Cash-Out nicht für alle Wetten. Der Ausstieg ist also ein Kaufpreis für Sicherheit — und der Veranstalter setzt ihn, nicht der Spielende.

Der «volle» Cash-Out ist die Schweiz-Variante dieses Instruments. Eine Teilauszahlung, bei der ein Rest der Wette weiterläuft, gibt es nicht. Wer bei einem Kombischein mit vier Beinen drei sichern und das letzte laufen lassen will, kann das hier nicht. Man entscheidet sich für den ganzen Schein oder für keinen. Zwei Konsequenzen: erstens ist der Ausstieg bei kleinen Einsätzen wirtschaftlich selten sinnvoll, weil der Abschlag auf einen ohnehin kleinen Betrag trifft; zweitens kann man Cash-Out nicht als Kapitalverwaltung über mehrere Wetten hinweg einsetzen.

Einsatzgrenzen, die mitten im Spiel gelten

Bei Sporttip beträgt der Mindesteinsatz für Einzel- und Kombinationswetten CHF 1, der Höchsteinsatz für eine Einzel- oder Kombinationswette CHF 1’000 und für eine Systemwette CHF 10’000. Swisslos kann die Limiten jederzeit ohne Angabe von Gründen ändern, und eine Wette über der Limite wird nicht angenommen.

Das ist mehr als eine Fussnote, gerade bei Livewetten. Ein Höchsteinsatz von CHF 1’000 pro Einzelwette ist im Vergleich zu ausländischen Anbietern niedrig, und er ist Teil der Schweizer Konstruktion: ein kontrollierter Markt hat kein Interesse an einem einzelnen grossen Wettschein. Wer live mit einem vierstelligen Betrag auf ein Tor setzen will, wird den Schein aufteilen müssen — und eine abgelehnte Wette in einer spielentscheidenden Minute ist eine verlorene Gelegenheit, nicht nur eine Formalität. Die Grenzen sind vor dem Spiel zu prüfen, nicht während des Spiels.

Sporttip-Wetten stehen Personen ab 18 Jahren offen; Personen unter 18 Jahren sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Wer als Wettkämpfer an einem Wettereignis teilnimmt, darf auf dieses Ereignis nicht wetten. Zur regulären Spielzeit zählt bei Sporttip die reguläre Spieldauer — etwa 90 Minuten beim Fussball — plus Nachspielzeit; Verlängerung und Penaltyschiesssen zählen nur, wenn das Wettprogramm darauf hinweist oder sie Gegenstand der Wette sind. Bei Live-Märkten wie «nächstes Tor» oder «Restzeit» entscheidet dieser Zuschnitt darüber, wann eine Wette überhaupt endet.

Die eigene Kombination und der Booster

Bei Sporttip werden voneinander abhängige Wettereignisse derselben Sportveranstaltung nur über die «Bet-Builder-Funktion» kombiniert. Nimmt Swisslos irrtümlich eine solche Kombination ohne diese Funktion an, kann sie die ganze Kombinationswette für ungültig erklären und den Einsatz zurückerstatten. Der Satz ist deshalb bemerkenswert, weil er zugibt, dass Korrelation im Kombischein ein Problem ist — und dass der Veranstalter es nicht in jedem Fall vor der Annahme erkennt.

Der Kombiboost gilt nur online, für Prematch, Live und Systemwetten, und verlangt mindestens vier Voraussagen mit einer Quote von je mindestens 1.50. Der Bonus auf den Nettogewinn beträgt 5 % bei vier, 20 % bei sieben, 40 % bei zehn und 100 % bei fünfzehn solchen Voraussagen; Einsatz und Gewinnerhöhung sind limitiert.

Lesen wir das als das, was es ist. Die 100 % stehen weit oben und die 5 % weit unten, und der Sprung von zehn auf fünfzehn Voraussagen ist der grösste im ganzen Schema. Um ihn zu erreichen, braucht man fünfzehn Spiele mit jeweils mindestens Quote 1.50 — bei einer Trefferwahrscheinlichkeit, die über die ganze Kette hinweg nicht steigt, sondern fällt. Der Boost erhöht den Nettogewinn, nicht die Chance darauf.

Quotenboosts bei Sporttip gelten nur online für Prematch-Einzelwetten auf eine Voraussage; Profitboosts erhöhen den möglichen Nettogewinn eines definierten Sportereignisses um einen angegebenen Prozentsatz. Beide sind pro wettende Person nur einmal nutzbar und in Einsatz und Erhöhung limitiert, und bei einem Cash-Out verfällt der Boost. Wer live setzt und einen Boost auf dem Schein hat, muss sich entscheiden: Ausstieg oder Erhöhung. Die beiden gibt es nicht zusammen.

Gratisspielguthaben: die Bewilligung, die keiner sieht

Gratisspiele oder Gratisguthaben brauchen die vorgängige Zustimmung der Gespa. Im Jahr 2025 hat sie 24 Zustimmungen an die Loterie Romande und 8 an Swisslos erteilt. Bonusbeträge und Bedingungen stammen ausschliesslich aus den Bedingungen des jeweiligen Veranstalters.

Diese Zahlen sind klein, und das ist der Punkt. Wer sich an ausländische Werbeschlachten gewöhnt hat, für den sehen Boni in der Schweiz wie ein Nebenschauplatz aus. Sie sind einer: ein bewilligtes Gratisspielguthaben ist kein Wettbewerbsinstrument, sondern eine Ausnahme mit Aufsicht. Werbung für Geldspiele darf zudem nicht aufdringlich oder irreführend sein und sich nicht an Minderjährige oder gesperrte Personen richten; Werbung für Geldspiele, die in der Schweiz nicht erlaubt sind, ist verboten und wird mit einer Busse von bis zu CHF 500’000 geahndet. Ein Zeitfenster, in dem Werbung verboten wäre, gibt es nicht.

Die Rangliste: zwei bewilligte Veranstalter und acht ohne Bewilligung

Die Bewertung folgt hier nicht den Werbeversprechen, sondern drei Dingen, die sich nachprüfen lassen: welche Sportarten und Märkte im Livebereich tatsächlich zugelassen sind, welche Annahmeregeln gelten, wenn eine Wette nach dem Ereignis abgegeben wird, und wie der vorzeitige Ausstieg geregelt ist.

Anbieter Schweizer Bewilligung Veranstalter
Swisslos Sporttip Veranstalterbewilligung und Spielbewilligung nach BGS für ein Grossspiel, Aufsicht Gespa Swisslos, Sitz Basel
Loterie Romande Jouez Sport Veranstalterbewilligung und Spielbewilligung nach BGS für ein Grossspiel, Aufsicht Gespa Loterie Romande, Sitz Lausanne
Cloudbet keine Schweizer Bewilligung ausländische Bewilligung nicht feststellbar
DirectionBet keine Schweizer Bewilligung ausländische Bewilligung nicht feststellbar
ZotaBet keine Schweizer Bewilligung ausländische Bewilligung nicht feststellbar
Interwetten keine Schweizer Bewilligung ausländische Bewilligung nicht feststellbar
BetLabel keine Schweizer Bewilligung ausländische Bewilligung nicht feststellbar
BetAlright keine Schweizer Bewilligung ausländische Bewilligung nicht feststellbar
BetPanda keine Schweizer Bewilligung ausländische Bewilligung nicht feststellbar
Fezbet keine Schweizer Bewilligung ausländische Bewilligung nicht feststellbar

Die beiden Gruppen sind getrennt zu lesen, und diese Trennung ist keine Feinheit, sondern die zentrale Aussage der Tabelle. In der ersten Hälfte steht eine Bewilligung, die ein Kanton erteilt hat und die nur in der Schweiz gilt. In der zweiten Hälfte steht eine Bewilligung, die in der Schweiz keine Wirkung entfaltet — unabhängig davon, in welchem Land sie erteilt wurde. Die acht Marken sind hier aufgeführt, weil Schweizer Spielende ihnen im Netz begegnen, und weil eine Liste, die sie verschweigt, dem Leser nichts erklärt. Sie sind nicht als gleichwertige Alternativen zu den beiden Veranstaltern zu verstehen, und keine von ihnen ist nach Schweizer Recht legal oder sicher.

Wer die Tabelle als Einkaufsliste missversteht, landet beim zweiten Drittel. Das erste Drittel ist die einzige Sektion mit einer Aufsichtsbehörde dahinter.

Swisslos Sporttip: die eine Adresse für die Deutschschweiz

Swisslos betreibt Sporttip gestützt auf die Interkantonale Vereinbarung vom 20. Mai 2019 und unter der Aufsicht der Gespa. Die Bewilligung deckt Sportwetten als Grossspiel ab, es handelt sich also um eine Veranstalterbewilligung für ein Grossspiel — nicht um eine Lizenz, die ein ausländischer Regulator ausgestellt hat und die man in der Schweiz anerkennen könnte.

Live funktioniert Sporttip im Rahmen der Gespa-Liste der zugelassenen Sportarten, Wettkämpfe und Wettarten. Der Katalog ist geschlossen, Corner- und Kartenmärkte fehlen, Esport ebenso. Wer vor allem auf Fussball mit den klassischen Märkten setzt, merkt davon wenig. Wer Live-Märkte sucht, die ein ausländischer Anbieter aus dem Stand anbietet, merkt es sofort.

Cash-Out gibt es für Einzel-, Kombinations- und Langzeitwetten, vor dem Spiel und live, online, und nur als vollständiges Cash-Out. Der Betrag liegt unter dem möglichen nicht vorzeitigen Gewinn und wird laufend angepasst. Eine Garantie auf einen Ausstieg pro Markt besteht nicht.

Bei den Annahmeregeln ist Sporttip streng und transparent: eine Wette nach dem Eintreffen des Ausgangs zählt mit Quote 1.00, und in spielentscheidenden Situationen darf der Veranstalter ebenfalls mit 1.00 werten. Ein Livebild braucht es nicht. Die Einsatzspanne reicht von CHF 1 bis CHF 1’000 pro Einzel- oder Kombinationswette und bis CHF 10’000 pro Systemwette, und ändern kann Swisslos sie jederzeit.

Was diese Bewilligung wert ist, zeigt sich nicht am Konto, sondern am Streitfall: bleibt eine Auszahlung aus, steht der Schweizer Rechtsweg offen, und ein Konto lässt sich nicht anlegen, ohne durch die Ausweisprüfung zu gehen. Für die Deutschschweiz ist Sporttip der einzige Ort, an dem eine Livewette und ein Schweizer Gerichtsstand dasselbe Produkt sind.

Loterie Romande Jouez Sport: live nur online

Jouez Sport ist das Produkt der Loterie Romande und wird von den sechs Kantonen Freiburg, Waadt, Wallis, Neuenburg, Genf und Jura getragen. Der Veranstalter sitzt an der Avenue de Provence 14 in Lausanne, betreibt 2’350 Verkaufsstellen und beschäftigt 221 Mitarbeitende. Die Bewilligungsgrundlage ist dieselbe wie bei Swisslos: eine Veranstalterbewilligung für ein Grossspiel unter der Aufsicht der Gespa.

Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Bewilligung, sondern im Zugang. An den Verkaufsstellen mit Wetterfassungsterminal gibt es nur Prematch-Wetten. Livewetten bietet allein die Internet-Spielplattform der Loterie Romande. Das Livegeschäft ist damit an das eigene Gerät gebunden, mit allem, was dazugehört: Registrierung, Identitätsprüfung und die Limitenmechanik, die für ein Onlinekonto gilt — Verlustlimiten für 1, 7 und 30 Tage, eine Senkung sofort, eine Erhöhung erst nach 72 Stunden.

Wer in der Romandie wohnt und Livewetten über den Kiosk plante, hat den falschen Weg vor sich. Wer ohnehin online spielt, verliert nichts: die Zulassungsvoraussetzungen — mindestens 18 Jahre, Wohnsitz im Gebiet des Veranstalters, keine bestehende Spielsperre, eine Registrierung pro Person — sind dieselben und werden genauso geprüft.

Dass zwei Veranstalter mit identischem Rechtsrahmen unterschiedliche Wege zum Live-Markt haben, ist die eigentliche Erkenntnis dieser Rangliste. Die Bewilligung sagt, wer darf. Sie sagt nicht, wie. Das entscheidet der Veranstalter mit seinem Kanal — und bei Jouez Sport heisst das: der Live-Markt beginnt erst nach der Anmeldung.

Cloudbet: Bewilligung aus dem Ausland, Wirkung null in der Schweiz

Cloudbet gehört zur zweiten Gruppe der Rangliste: keine Schweizer Bewilligung. Nur Swisslos und die Loterie Romande dürfen in der Schweiz Sportwetten anbieten. Eine ausländische Bewilligung hat nach Art. 4 BGS in der Schweiz keine Geltung; welche Bewilligung Cloudbet vorweisen kann, ist nicht feststellbar.

Praktisch bedeutet das eine Reihe von Dingen, die zusammenwirken. Cloudbet ist nicht an das Schweizer Sperrregister angeschlossen: wer sich bei Swisslos sperren lässt, sperrt sich nicht bei Cloudbet. Es gibt keinen Schweizer Rechtsweg, wenn eine Auszahlung stockt. Winnings aus einem ausländischen Anbieter werden nach kantonaler Praxis — Thurgau behandelt sie so — als vollständig steuerbares Einkommen betrachtet, unabhängig von der Höhe. Und Domains von Anbietern ohne Bewilligung können auf die Sperrliste der Gespa kommen und per DNS blockiert werden; dass eine Seite heute erreichbar ist, sagt nichts über nächsten Monat.

Die Domain der Marke steht in der Sperrliste-Logik der Gespa auf der Liste der Domains, die blockiert werden können. Für einen Spielenden heisst das: erreichbar ist nicht dasselbe wie erlaubt, und erlaubt ist nicht dasselbe wie betreut.

DirectionBet: dasselbe Feld, dieselbe Lücke

DirectionBet steht in derselben Gruppe. Keine Schweizer Bewilligung, eine ausländische Bewilligung, die in der Schweiz keine Wirkung entfaltet, kein Anschluss an das Sperrregister, kein Schweizer Rechtsweg, und eine Domain, die auf die Sperrliste gesetzt werden kann.

Für die Bewertung ist das entscheidend und für den Vergleich langweilig: die acht Marken der zweiten Gruppe unterscheiden sich in diesem Punkt nicht voneinander. Sie unterscheiden sich möglicherweise in ihren Produkten — in Märkten, Quoten, Auszahlungszeiten —, aber nichts davon ist durch eine Schweizer Aufsicht geprüft, und nichts davon lässt sich hier mit Schweizer Massstäben beurteilen und gegen die beiden Veranstalter stellen. Genau das ist die Aussage: eine Rangliste nach Schweizer Kriterien endet bei zwei Namen. Der Rest ist eine Information über den Markt, nicht über ein Produkt.

Was bleibt, ist eine Frage, die der Spielende selbst beantworten muss: ob er den Schweizer Rahmen will oder nicht. DirectionBet ist eine der Marken, bei denen diese Frage anfällt.

ZotaBet: die Taxonomie ist die Botschaft

ZotaBet trägt dieselbe Einstufung wie die übrigen Marken ohne Schweizer Bewilligung. Die ausländische Bewilligung ist nicht feststellbar, die Sperrlisten-Fähigkeit besteht, der Anschluss ans Sperrregister fehlt, es gibt keinen Schweizer Rechtsweg.

Auffällig ist an dieser Gruppe etwas anderes, und es betrifft nicht die einzelne Marke. Wenn acht von zehn Anbietern einer Liste identisch zu bewerten sind, dann sagt die Liste etwas über die Struktur des Marktes und fast nichts über die acht. Ein Vergleich, der sie nach Quoten oder Boni ordnet, würde Unterschiede erfinden, wo das Schweizer Recht keine kennt.

Sie stehen hier, weil ein Leser sie im Netz findet und einordnen können muss. Die Einordnung ist in allen acht Fällen dieselbe.

Interwetten: die Marke, die die Aufsicht selbst nennt

Interwetten erscheint in der Gespa-Sperrlisten-Logik namentlich als Beispiel für Domain-Hopping: die Behörde nennt Interwetten und Bet-at-Home, wenn sie erklärt, wie blockierte Domains innerhalb von Stunden ersetzt werden. Das ist ungewöhnlich konkret. Eine Aufsichtsbehörde, die eine Marke beim Namen nennt, beschreibt damit nicht nur ein technisches Phänomen, sondern eine Praxis.

Für die Bewertung heisst das: Interwetten ist keine Schweizer Adresse für Livewetten, und die Schweizer Aufsicht hat den Umgang mit dieser Marke bereits dokumentiert. Es gibt keine Schweizer Bewilligung, keinen Anschluss an das Sperrregister, keinen Schweizer Rechtsweg, und eine Bewilligung aus dem Ausland, die hier keine Geltung hat.

Wer die Marke kennt und sportlich schätzt, muss wissen, dass er sie ausserhalb jedes Schweizer Schutzes nutzt. Die Namen auf der Liste sind öffentlich; das ist der einzige Trost, den diese Konstruktion hergibt.

BetLabel: das Bewilligungsvakuum

BetLabel steht ohne Schweizer Bewilligung in der Liste. Eine ausländische Bewilligung ist nicht feststellbar, weshalb auch keine Rede davon sein kann, sie gelte in der Schweiz — nach Art. 4 BGS gilt eine Bewilligung nur in der Schweiz, und Schweizer Bewilligungen besitzen nur die beiden Veranstalter. Kein Anschluss ans Sperrregister, kein Schweizer Rechtsweg, Sperrlisten-Fähigkeit der Domain.

Die entscheidende Konsequenz ist die Steuer. Wer hier gewinnt, gewinnt ohne Verrechnungssteuer — aber nach der Praxis etwa des Kantons Thurgau als vollständig steuerbares Einkommen, unabhängig von der Höhe. Es gibt also keinen Schweizer Schutz und gleichzeitig keine Schweizer Steuerfreiheit. Das ist die schlechteste Kombination zweier Welten und der Grund, weshalb diese Seite sie nicht als Alternativen zu Swisslos darstellt.

BetAlright: erreichbar, aber nicht betreut

BetAlright gehört zur Gruppe ohne Schweizer Bewilligung, mit einer im Ausland nicht feststellbaren Bewilligung, ohne Anschluss an das Schweizer Sperrregister, ohne Schweizer Rechtsweg.

Interessant ist hier ein Missverständnis, das sich hartnäckig hält: eine erreichbare Seite wird als erlaubte Seite gelesen. Der Mechanismus dahinter ist die Sperrliste, und sie funktioniert technisch anders, als man denkt: Schweizer Telekommunikationsanbieter blockieren per DNS, und blockierte Adressen werden binnen Stunden ersetzt. Eine Marke ist also in der Regel sichtbar, auch wenn ihre Domain auf der Liste steht.

Die Sichtbarkeit ist kein Merkmal der Erlaubnis. Wer bei BetAlright live setzt, tut das ohne Schweizer Schiedsgerichtsbarkeit über sich und ohne Eintrag im Sperrregister, der ihn im Ernstfall stoppen würde.

BetPanda: der fehlende Bremsweg

BetPanda führt in dieser Liste dieselbe Einstufung: keine Schweizer Bewilligung, keine feststellbare ausländische Bewilligung mit Wirkung in der Schweiz, kein Sperrregister-Anschluss, kein Schweizer Rechtsweg, Domain sperrlisten-fähig.

Der eine Punkt, den es bei dieser Gruppe zu bedenken gibt, betrifft den Spielerschutz und ist der Kern des Themas Livewetten. Verlustlimiten, Spielsperre und ein Kontosystem mit verifizierter Identität sind Vorrichtungen eines bewilligten Schweizer Veranstalters. Sie existieren bei einem Anbieter ohne Schweizer Bewilligung nicht in derselben Form, und das Schweizer Sperrregister kennt ihn nicht.

Die Geschwindigkeit der Livewette ist damit doppelt ungebremst: schnell im Markt und ungebremst im Schutz. Wer sich vorstellt, er würde die Limiten seines Schweizer Kontos einfach mitnehmen, irrt sich.

Fezbet: die letzte Adresse ohne Bewilligung

Fezbet schliesst die Gruppe der acht Marken ohne Schweizer Bewilligung ab. Auch hier fehlt die Bewilligung, die Schweizerische Aufsicht, der Anschluss ans Sperrregister und der Schweizer Rechtsweg; die Domain kann auf die Sperrliste gesetzt werden.

Der Blick auf die beiden Gruppen am Ende dieser Rangliste führt zu einer unbequemen Feststellung. Die Live-Schweiz hat zwei Anbieter, eine geschlossene Liste erlaubter Sportarten und Märkte, eine Wohnsitzbedingung, eine Identitätsprüfung, ein Dutzend Regeln zur Annahme von Wetten und keinen einzigen Bonuscode. Das klingt nach einem schlechten Angebot und ist tatsächlich ein enges. Eng ist aber auch, was diese Enge verlässlich macht: die Regeln, die einen Livewettschein hier ungemütlich machen, sind dieselben, die ihm im Streitfall einen Wert geben.

Wer Livewetten als Geschwindigkeitsspiel versteht, findet im Ausland mehr Bewegungsraum. Wer sie als Vertrag mit einem Haus versteht, das auf einer Liste steht und geprüft wird, findet genau zwei Adressen — und beide verlangen einen Wohnsitz, den man nicht wählen kann.

Häufig gestellte Fragen

Wie funktionieren Livewetten, und worin unterscheiden sie sich von einer Wette vor dem Spiel?

Bei einer Livewette wird noch während des laufenden Spiels gesetzt, die Annahme endet erst nach Spielbeginn, gegebenenfalls zuzüglich einer Karenzzeit. Die Quoten richten sich nach Spielstand, Einsätzen und Spielzeit und werden nach Ereignissen wie einem Tor angepasst oder ausgesetzt. Vor dem Spiel steht die Quote fest, live verändert sie sich, während man tippt.

Sind Livewetten in der Schweiz verboten?

Nein. Livewetten sind erlaubt, vor dem Spiel und während des Spiels, soweit der Veranstalter eine entsprechende Entscheidung besitzt; das Geldspielgesetz enthält keine Beschränkung auf bestimmte Live-Märkte. Verboten ist nicht das Setzen, sondern das Veranstalten ohne Bewilligung. Livewetten anbieten dürfen in der Schweiz ausschliesslich Swisslos mit Sporttip und die Loterie Romande mit Jouez Sport.

Wer darf in der Schweiz Livewetten anbieten, nur Sporttip und Jouez Sport?

Ja, Sporttip und Jouez Sport sind die einzigen beiden Veranstalter. Die Kantone haben die Zahl der Veranstalter von Lotterien und Sportwetten auf zwei begrenzt; eine Bewilligung braucht eine Veranstalterbewilligung und eine Bewilligung pro Spiel. Bei Jouez Sport gibt es Livewetten nur auf der Internet-Spielplattform, in den Verkaufsstellen ausschliesslich Prematch-Wetten.

Was geschieht mit einer Wette, die erst nach dem tatsächlichen Eintreffen des Wettausgangs platziert wird?

Sie zählt mit Quote 1.00. Der Einsatz wird also zurückgegeben, ein Gewinn fällt nicht an. In spielentscheidenden Situationen wie einem Elfmeter, einer Roten Karte oder einem Videoschiedsrichter-Entscheid kann Swisslos Wetten ebenfalls mit Quote 1.00 werten. Eine Livewette gilt nur, wenn sie vor dem Wettausgang platziert wurde.

Gibt es bei Livewetten einen Cash-out, und was bedeutet voller Cash-out bei Sporttip?

Cash-Out ist keine gesetzlich geregelte Einrichtung, sondern eine Funktion des jeweiligen Anbieters. Bei Sporttip gibt es ihn für Einzel-, Kombinations- und Langzeitwetten, vor dem Spiel und live, nur online und nur als vollständiges Cash-Out: der ganze Schein wird ausbezahlt, eine Teilauszahlung gibt es nicht. Ein ausgeführter Cash-Out ist nicht rückgängig zu machen.

Inhalt erstellt vom Team «seriosewetten»